Fritz und Hermine Overbeck

Die Künstlerkolonie im Teufelsmoor

Fritz Overbeck hat als einer der Initiatoren der Künstlerkolonie Worpswede den Ruhm des Malerdorfs mitbegründet. Die Werke der Worpsweder Künstlervereinigung, zu der sich die Gründungsmitglieder 1894 zusammengeschlossen hatten, zeichnen sich vor allem durch stimmungsvolle Naturansichten aus. In Nachfolge der Künstlerkolonien von Barbizon oder Dachau wandten sich die jungen Maler von der künstlichen Landschaftsauffassung des Akademiebetriebs ab, um direkt vor der Natur unter freiem Himmel zu malen. Sie trafen damit den Nerv der Zeit: Als Gegenbewegung zu der um sich greifenden Industrialisierung spiegelten ihre Bilder die Sehnsucht der Stadtbevölkerung nach einem ungebrochenen Zusammenhang zwischen Mensch und Natur wider. Die karge Moorlandschaft mit ihrer weiten Ebene und dem sich über alles spannenden hohen Himmel wurde zum beliebtesten Motiv der Worpsweder Maler, dem sie sich in immer neuer Weise – mal verträumt-romantisch, mal sachlich-detailliert – annäherten.

Anfänge in Worpswede

Fritz Overbeck wurde 1869 als Sohn des ersten Technischen Direktors des Norddeutschen Lloyd in Bremen geboren. 1892 machte ihn Otto Modersohn mit Worpswede bekannt, und von da an ließ ihn die Begeisterung für die reizvolle Moorlandschaft nicht mehr los. Bei einer Ausstellung im Münchener Glaspalast 1896 entdeckte die junge Kunststudentin Hermine Rohte das erste Mal einige Bilder von Fritz Overbeck. Sie zeigte sich so angetan von seinen Arbeiten, dass sie kurzentschlossen nach Worpswede zog und seine Schülerin wurde. Bereits im Herbst 1896 verlobten sich die beiden Künstler und heirateten ein Jahr später. 1898 wurde der Sohn Fritz Theodor geboren, 1903 die Tochter Gerda. Die Familie lebte bis 1905 in Worpswede, bis sie schließlich nach Bröcken bei Vegesack übersiedelte. Hier erfuhr Fritz Overbeck neue Impulse für sein Schaffen: Seine Farbpalette frischte auf und er begann, mit anderen Strömungen wie dem Impressionismus und Expressionismus zu experimentieren. Auch zeigen seine Arbeiten mit Motiven aus Sylt, Vegesack oder Davos eine deutlich realistischere Prägung als die frühen lyrischen Worpsweder Arbeiten. 1909 bricht Overbecks Laufbahn unerwartet ab: Er stirbt im Alter von nur 39 Jahren überraschend an einem Hirnschlag.

Das Künstlerpaar Overbeck

Hermine Overbeck-Rohte (1869 – 1937) hat sich nach dem frühen Tod Fritz Overbecks bald für das Andenken ihres Mannes eingesetzt. Sie organisierte Ausstellungen und nahm sich selbst bewusst künstlerisch zurück. Sogar ihre Kinder kannten ihre Werke kaum und waren überrascht, als man nach ihrem Tod 1937 über 200 Studien versteckt im früheren Atelier ihres Mannes fand. Obwohl sie sich zeitlebens als Schülerin Fritz Overbecks fühlte, hat Hermine Overbeck-Rohte in ihren Arbeiten auch deutlich eigene Akzente gesetzt. Die Ausstellung im Overbeck-Museum macht ihr reiches Werk erstmals öffentlich zugänglich. In der Zusammenschau mit den Bildern ihres Mannes bietet das Haus einen umfassenden Einblick in das Schaffen dieses Malerehepaares und zeigt gleichzeitig durch verschiedene Wechselausstellungen auch zeitgenössischer Künstler, wie aktuell die Worpsweder heute immer noch sein können.

 

 
Fritz Overbeck mit Strohhut

 

 

 

Fritz Overbeck: Worpsweder Kirche II

 

 




Paul Schroeter: Hermine Overbeck-Rohte