Vorschau 2016 / 2017

Von Avantgarde bis Historismus

 

Nicht nur Landschaftsmalerei um 1900 ist im Overbeck-Museum zu sehen. Immer wieder stellt die Ausstellungsstätte im Alten Packhaus Vegesack den Werken von Fritz und Hermine Overbeck auch Arbeiten anderer Künstler gegenüber. In diesem Jahr ist das Spektrum der künstlerischen Positionen besonders breit gefächert: Von radikal modernen Walddarstellungen der Gegenwart bis zum historistischen Stil um 1900, der eine schon damals lang zurückliegende Vergangenheit beschwor. Immer aber ist es der direkte Bezug zum Werk des Malerpaares Overbeck, der die Ausstellungen prägt und neue Perspektiven eröffnet.

Vom 30. Oktober bis zum 15. Januar zeigt die Ausstellung „Achtung: Wald!“ zeitgenössische Walddarstellungen in überraschender Radikalität. Konstantin Déry und das Künstlerpaar Alice Stepanek und Steve Maslin stellen Werke vor, die den Wald sowohl hyperrealistisch als auch mit verstörenden Verfremdungseffekten abbilden. Vom 29. Januar bis 26. März widmet sich das Overbeck-Museum dann dem deutschen Impressionisten und Marinemaler Leonhard Sandrock. Der Zeitgenosse Fritz Overbecks stellt einen faszinierenden Gegenpol zur Worpsweder Kunst dar, widmete er sich doch – zeitgleich mit den landschaftlichen Idyllen der Worpsweder – der Hafen- und Industriemalerei. Der Bremer „Kunstpapst“ und „Malerfürst“ Arthur Fitger steht vom 9. April bis zum 2. Juli im Mittelpunkt. Das Overbeck-Museum zeigt das opulente und weitgehend unbekannte künstlerische Oeuvre Fitgers, der heute vor allem durch seine vernichtende Kritik Paula Modersohn-Beckers bekannt ist, und präsentiert damit ein wichtiges Stück Bremer Zeitgeschichte. 


Die Ausstellungen im Überblick:

30. Oktober 2016 bis 15. Januar 2017
Achtung: Wald!

Konstantin Déry / Alice Stepanek & Steven Maslin

Das Künstlerpaar Alice Stepanek & Steve Maslin arbeitet stets gemeinsam an seinen oft großformatigen Gemälden – eine ungewöhnliche Vorgehensweise in der Kunst. Konstantin Déry hingegen malt seine beeindruckend detailreichen Werke allein. Gemeinsam ist den Künstlern das Motiv des Waldes und die Präzision, mit der sie sich diesem Thema nähern. Der nahezu hyperrealistische Malduktus von Stepanek & Maslin wird gebrochen durch verstörende Verfremdungseffekte, die den Landschaftsgemälden etwas Unscharfes und Unheimliches verleihen. Déry pointiert seine Naturdarstellungen durch Variationen in der Farbigkeit, die einen ganz eigenen Stimmungsgehalt entwickeln. Diesen radikal modernen künstlerischen Positionen sind motivgleiche Werke von Fritz und Hermine Overbeck gegenüber gestellt.

29. Januar bis 26. März 2017
Leonhard Sandrock

Impressionist und Marinemaler

Der Maler Leonhard Sandrock (1867-1945) war ein Zeitgenosse Fritz Overbecks. Anders als die Worpsweder Künstler, die sich nostalgischen Landschaftsmotiven zuwandten, nahm er Häfen und Stahlwerke, Fabriken und Dampfschiffe zum Motiv. Dabei zeigt er sich ebenso als ein exzellenter Marinemaler wie auch als Impressionist, der die Lichtstimmungen am Hafen, den Qualm der Dampflokomotiven oder den Feuerschein der Stahlproduktion einfangen kann. In der Gegenüberstellung mit Werken von Fritz und Hermine Overbeck wird die für die damalige Zeit prägende Spaltung zwischen rasanter Industrialisierung und wachsender Natursehnsucht deutlich. Die Ausstellung findet in Kooperation mit dem Heimatmuseum Schloss Schönebeck statt, wo ebenfalls Werke von Leonhard Sandrock gezeigt werden.
 

9. April bis 2. Juli 2017
Arthur Fitger

Bremer Malerfürst und Anti-Worpsweder

Arthur Fitger (1840-1909) galt zu Lebzeiten in Bremen als „Kunstpapst“. Seine opulenten historisierenden Gemälde mit mythologischen und allegorischen Motiven waren gefragt und schmückten zahllose öffentliche Gebäude und Kaufmannsvillen. Fitger bediente erfolgreich den Zeitgeschmack des konservativen Bremer Bürgertums. Zugleich wirkte er jahrzehntelang als Kunstkritiker in der „Weser-Zeitung“, und seine Meinung hatte Gewicht. Heute ist er vor allem bekannt als derjenige, der Paula Modersohn-Beckers erste Ausstellung in Bremen mit einer vernichtenden Kritik bedachte. Denn Fitger lehnte die Worpsweder Malerei generell ab. Die Ausstellung im Overbeck-Museum, die das weitgehend unbekannte malerische Werk Fitgers mit Arbeiten von Fritz Overbeck kontrastiert, macht deutlich, warum. Obwohl sie Zeitgenossen waren, zeigt sich an Arthur Fitger und Fritz Overbeck eine faszinierende „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“. Zugleich erinnert die Ausstellung mit Arthur Fitger an einen bedeutenden Bremer und präsentiert damit ein wichtiges Stück Bremer Zeitgeschichte.
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Konstantin Déry: Tote Eiche, 2015

 

 

Leonhard Sandrock: Lokomotive mit Güterwaggon, der beladen wird

 

Arthur Fitger (1840-1909)